Den "Burn-Out" kennt mittlerweile jeder: Zuviel Stress im Job bei zu wenig positiver Rückmeldung führt zu den bekannten Symptomen des "Ausgebranntseins". Wer sich jedoch über längere Zeit nur noch erschöpft und niedergeschlagen am Arbeitsplatz erlebt, leidet möglicherweise an den Symptomen einer ganz anderen Erkrankung: Dem Bore-Out-Syndrom.
Der "Bore-Out" – aus dem englischen "to bore": (sich) langweilen – entsteht nicht durch permanente Überforderung am Arbeitsplatz, sondern durch Unterforderung. Vor allem in Berufen mit "sitzenden" Tätigkeiten, die auf sich wiederholenden, klar geregelten Arbeitsabläufen basieren, so beispielsweise in Behörden, langweilen sich viele Mitarbeiter krank.
Das Perfide am "Bore-Out" sind die Vermeidungstechniken der Betroffenen. Niemand möchte untätig wirken. Daher entwickelt man allerlei Tricks und Kniffe, um "gestresst" zu wirken. Der Terminkalender ist immer voll, ebenso der Schreibtisch und die Aktentasche. Bei Lichte betrachtet, dient der ganze Eifer jedoch nur dazu, den Schein zu wahren. Äußerlich wirkt man motiviert und sogar überfordert, innerlich hat man längst gekündigt.
Den Chef und die Kollegen mag man täuschen können, die eigene Psyche jedoch hält den Widerspruch zwischen äußerer Emsigkeit und innerer Leere nicht lange aus. Unzufriedenheit, Antriebslosigkeit und ein Gefühl der Sinnlosigkeit machen sich breit und bestimmen zunehmend auch das Privatleben.
Wichtig ist: Bore-Out-Patienten sind nicht faul, sondern werden faul gemacht. Gerade im Dienstleistungsbereich liegt die Ursache oft im System: Tätigkeiten sind weitgehend ‚genormt’, zu viele Mitarbeiter kümmern sich um eine Aufgabe, und aus Angst vor Repressalien wird so schnell niemand die eigene Langeweile beklagen.
Sitzen Sie in der Bore-Out-Falle?
Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie zunächst Ihre Arbeitsabläufe genau und ehrlich dokumentieren: Wie viel Zeit geht für "Scheinarbeit" verloren? Welche Arbeiten empfinden Sie als besonders langweilig? Zudem sollte mit Kollegen offen kommuniziert werden, wie man Arbeiten und Pausen interessanter und abwechslungsreicher gestalten kann.
Wer beim Vorgesetzten damit auf taube Ohren stößt, sollte die Fakten sprechen lassen: Nach einer Schätzung des Gallup-Instituts verursacht niedrige Produktivität durch demotivierte – sprich: gelangweilte - Mitarbeiter jährlich Kosten von 220 Milliarden Euro.